Freunde der Egerländer Blasmusik

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Gruppe Freunde der Egerländer Blasmusik
Die Original Egerländer Musikanten - Teil 1 (1956 bis 1979)
Auf dem Bundespresseball 1955 in Bad Neuenahr spielte das Tanzorchester Erwin Lehn. Da diese Bälle extrem lange dauerten, entlasteten sich die Musiker gegenseitig, indem sie abwechselnd in kleineren Besetzungen, unter anderem auch einer Blaskapelle, spielten. Die Blaskapellenbesetzung wurde dann von Ernst Mosch geleitet, der zu dieser Zeit stellvertretender Orchesterchef war. In dieser Besetzung waren schon seine späteren Weggefährten Franz Bummerl und Gerald Weinkopf vertreten. Die Blasmusik-Besetzung war ein großer Erfolg auf dem Ball, da sie eine Abwechslung zum normalen Programm darstellte.
Ernst Mosch organisierte daraufhin ein Orchester mit fester Blasmusikbesetzung. 1956 nahmen die 12 Blasmusiker 5 Titel beim Südfunk in Stuttgart auf, welche am 21. April 1956 ausgestrahlt wurden. Dazu gehörten unter anderem die Fuchsgraben-Polka und der Walzer Rauschende Birken. Bei der Namenssuche einigte man sich auf Die Egerländer Musikanten, da die meisten der Musiker aus Böhmen stammten. Bereits im Dezember des gleichen Jahres schloss Mosch einen Vertrag mit der Plattenfirma Telefunken für weitere Aufnahmen ab. Die Besetzung wurde auf 18 Musiker erweitert. Mosch, der davor noch selbst Tenorhorn spielte, setzte seine Prioritäten von nun an auf das Dirigieren und den Gesang.
Aufgrund zahlreicher Nachahmer benannte sich das Orchester 1958 in Original Egerländer Musikanten um. Man trat nun fast jedes Wochenende auf, obwohl Mosch und viele seiner Musiker noch beim Südfunk-Tanzorchester unter der Leitung von Erwin Lehn engagiert waren. Er verließ dieses jedoch gemeinsam mit Franz Bummerl 1966. Als erstes deutsches Orchester trat Mosch mit den Original Egerländer Musikanten am 21. Mai 1966 in der Carnegie Hall in New York auf.
Die typische Live-Besetzung der frühen 60er Jahre war: Machwitz, Hoffbauer, Dautel - Ernszt, Bummerl, Uitz - Schirra - Halmai, Hess - Krause, Penzialek, Grosz - Nest, Hering sen. - Tagscherer.
Die Mitglieder des Orchesters mit der längsten Zugehörigkeit waren Fritz Dautel (36 Jahre), Franz Bummerl (35 Jahre), Manfred Hoffbauer und Ernst Machwitz (jeweils 32 Jahre), Josef Lauter (29 Jahre), Ewald Komar (27 Jahre), Karl Kraft, Hans Bodenmüller und Hans Wolf (Trompete) (jeweils 24 Jahre), Josef Pemmerl und Herman Engelbertinck (beide 22 Jahre).
Nach der USA-Tournee 1966 und namentlich in 1969 ff. kamen viele Neuzugänge und nachmals langjährige Musiker in das Orchester, wie z.B. die Klarinettisten Franto Linharek, Herrmann Dürr und Rudolf Lutze, später ab 1986 Manfred Mende, die Flügelhornisten Lubomir Rezanina, Fritz Ahles, Gert Mann, Lothar Hensel, Günter Ehrig und ab 1972 Freek Mestrini, sowie 1974 Willi Müller, die Trompeter Georg Weyerer und Walter Scholz (1966-69) und Hans Wolf (ab 1972), der langjährige Tenorhorn-Satzführer Karl Kraft, der Baritonist Ewald Komar (schon mit auf USA-Tournee 1966) und 1974 Herman Engelbertinck, die Posaunisten Erwin Wolf, Walter Tuschla und Walter Huber, der Tubist Josef Pemmerl, sowie die Schlagzeuger Hans Bodenmüller (schon mit auf USA-Tournee 1966), und Josef "Joschi" Lauter.
Leider musste der frühe Tod zweier beliebter Musiker betrauert werden, des Flügelhornisten und Konzertmeisters Georg "Fischi" Ernszt in 1968, und des Schlagzeugers Ferry Tagscherer in 1973.
Nach einer Egerländer Pilotproduktion von 1971 ("Sonntagskonzert"), realisierte 1972 Ernst Mosch mit den Original Egerländer Musikanten ein erfolgreiches Experiment: Gerald Weinkopf arrangierte Operetten von Robert Stolz, Walter Kollo, Paul Lincke und Franz Lehar in einem modernen „Millersatz“ (Saxophonen und Klarinettenführung), die auf Tonträger aufgenommen wurden. 1982/83 eine weitere Produktion mit Melodien von Nico Dostal und Ralph Benatzky. Der Miller-Satz wurde von so hervorragenden Solisten wie Fritz Dautel, Manfred Hoffbauer, Ernst Machwitz oder Lothar Kloeren gespielt. In vielen Melodiebögen waren die Arrangements auch von einem dreistimmigen Posaunensatz geprägt, der von ebenfalls hervorragenden Musikern wie Bobby Burgess, Erwin Wolf und später Enrique Crespo, Jiggs Whigham, Bart van Lier oder Otto Bredl gespielt wurde.
Am Samstag den 28. April 1973 erhielt Ernst Mosch im Rahmen eines Konzertes im Circus Krone in München seine erste Platin-Schallplatte für mehr als 10 Millionen verkaufte Schallplatten. Es folgte eine Tournee mit 110 Konzerten und 70 Festzeltauftritten mit insgesamt 430.000 Besuchern.
1973 rief Ernst Mosch zusammen mit Frank Pleyer die Original Straßenmusikanten im Stil kleinerer Blasmusikbesetzungen seiner alten Heimat ins Leben. Die Besetzung sah wie folgt aus: 2 Flügelhörner, Tenorhorn, Bariton, Saxophon, Gitarre, Tuba und Akkordeon. Frank Pleyer fungierte als Komponist und schrieb für die Original Straßenmusikanten unter anderem „Pfeffer und Salz“. Mit den Straßenmusikanten absolvierte Ernst Mosch einige Fernsehauftritte. Live-Konzerte blieben dem Publikum jedoch verwehrt.
Frank Pleyer schrieb zusammen mit Ernst Mosch von 1973-1979 viele erfolgreiche konzertante Kompositionen, auch für die reguläre Egerländer-Besetzung, die besonders charakteristisch und anspruchsvoll waren. Schon 1956-60 hatte Frank Pleyer Titel für Ernst Mosch geschrieben, wie z.B. "Schätzlein", "Fesche Madeln" oder "Mondschein-Polka". Als Pilot-Titel für das Revival der Zusammenarbeit mit Frank Pleyer kann seine anspruchsvolle, chromatisch gefärbte Bravour-Polka "Sehnsucht-Polka" auf der Produktion "Moldauklänge" von 1972 angesehen werden. Es folgten in den Jahren nach 1972 z.B. die Konzertwalzer "Der Weg zurück", "Stunden der Liebe", "Herzenswunsch", oder die Märsche "Rot-weiß-rot", "Rekruten", "Redoutenmarsch". Am bekanntesten aus der Feder Mosch/Pleyer dieser Zeit sind die Polkas "Pfeffer und Salz" und "So ein schöner Tag".
1976 feierten die Original Egerländer Musikanten ihr 20-jähriges Jubiläum mit einer großen Tournee, welche 40 Konzerte im Frühjahr und 50 Auftritte im Herbst beinhaltete.
1977 legte Ernst Mosch eine Pause ein. Damit wollte er verhindern, dass sich die Egerländer kaputt spielten. Er nutzte die folgende Zeit vor allen Dingen für seine Familie. Mosch ließ sich außerdem in Germaringen nieder, wo auch sein 1979 mit Elmar Wolf gegründeter Musikverlag bis heute seinen Sitz hat.
1977/78 konnte Ernst Mosch den in Prag lebenden Schlagzeuger Antonin Votava für Studioaufnahmen gewinnen. Die erste Produktion mit dem besonderen Konzertbecken Votava's war das Album und der Titel "Tschingsda und Bumsda". Votava konnte vor der Wende nur einzelne weitere Aufnahmen begleiten (1977 bis 1980), bis er 1992 ständiges Mitglied des Orchesters wurde. Antonin Votava war mit Ernst Mosch befreundet und organisierte maßgeblich auch das Treffen Ernst Moschs 1981 mit Vejvoda, Vacek und Valdauf in Prag mit.
1978 produzierte Ernst Mosch mit erweiterter Besetzung ein Album mit Konzertmärschen der K.u.k.-Zeit. Bei dieser Produktion, bei der Rolf Schneebiegl einige Stücke arrangierte, kamen auch einige Neuzugänge vom SWF-Tanzorchester zu den Original Egerländer Musikanten, die danach lange Jahre zu den führenden Musikern zählten, namentlich Ferenc Aszodi, Heinz Herrmannsdörfer, Gerd Husemann und Herrmann Mutschler.
In den 1990er Jahren fand ein umgreifender Generationswechsel bei den Egerländer Musikanten statt. Für langjährige Musiker wie Franz Bummerl, Ewald Komar, Fritz Dautel oder Horst Reipsch mussten altersbedingt kompetente Nachfolger gefunden werden. Ernst Mosch fand solche in Musikern von ähnlichen Orchestern/Marktbegleitern. Die heutigen Egerländer unter Ernst Hutter sind diese neue Generation, die Ernst Mosch in das Orchester hervorragend integrierte. Ernst Hutter kam 1985 als 1. - und Solotenorhornist zu den Original Egerländer Musikanten. Nach ihm wurden namentlich Thomas Backhaus (ab 1995), Martin Jacobs (1994), Franz Tröster (1991), Helmuth Kaszner (1991), Giovane Kaszner (1987), Gerhard Schultheis (1992), Toni Scholl (1991), Edgar Wehrle (1995), Oswald Windrich (1994) und Holger Müller (1995) neue Stützen des Orchesters.
Im Klarinettensatz experimentierte Ernst Mosch mit vielen Musikern u.a. aus Tschechien, bei den vor allem der Satzführer Milos Bydzoswski sen. und der Es-Klarinettist Jaroslav Marek herausgestellt werden müssen.